Dogaholic Beautiful Girly

Parson Russell Terrier


Meine Hazel

Man sieht die Sonne langsam untergehen
und erschrickt doch,
wenn es plötzlich dunkel ist.
Franz Kafka

26.07.1999 – 17.08.2015

Als mir eine Freundin dieses Gedicht an die Hand gab, standen wir am Anfang unseres Abschiedes von Hazel. Und genau so wie von Franz Kafka ausgedrückt, fühlte es sich an.
War Hazel auch in den letzten Monaten ein wenig tütteliger geworden, so war sie doch immer noch geistig präsent und dabei. Sie schlief mehr und tiefer, ja, das kennen wir alle, die wir schon alte Hunde begleitet haben. Aber, sie ging weiter mit auf kleinen Spaziergängen, war mit uns noch vor vier Wochen im Wohnwagen zu einem Turnier unterwegs und hat dabei fast den ganzen Tag draußen verbracht, viel im Schatten gelegen und sich offensichtlich wohl gefühlt. Als es dann so heiß wurde, haben wir auch Turniere abgesagt um ihre Kräfte zu schonen.

Sie war nicht krank, sie hatte ein paar altersbedingte Wehwechen, die einzeln betrachtet recht gut zu händeln waren, in der Summe aber sicherlich zunehmend beschwerlicher wurden. Trotzdem gab es keinen Zeitpunkt, wo wir darüber nachdenken mußten, ob das Leben für sie noch lebenswert war, denn sie zeigte weiter deutlich Freude am Machen und Tun. Sie spielte vor zwei Wochen, als Roger mit Brenda zum Decken gefahren war, mit ihrem Ball auf dem Platz, wedelte, wenn der Coffini sie begrüßte, bellte ungeduldig, wenn es mit dem Futter zu lange dauerte und sie konnte noch recht gut gucken und hörte alles, was wichtig war.

Doch am Donnerstag, dem 13.08.2015, gab es eine Veränderung, als wenn es ohne äußeren Einfluß, eine höhere Weisung gegeben hat, die keine Umkehr und keinen Aufschub duldete. Sie ging aus diesem Leben, wie sie alles getan hat, willensstark, unbeirrbar, schnell und autark. Am Sonntagmorgen sprang sie noch alleine aus dem Bett um in den Garten zu gehen, am Abend machte sie sich dann nach und nach auf den Weg. Sie starb am Montagmorgen des 17.08. in unserem Bett, zwischen uns. Still und leise ging sie davon. Und wir bleiben tief traurig und untröstlich zurück, es kann nicht genug Tränen geben für diesen Hund.

Flieg, du großartige Seele, flieg befreit von der Körperlichkeit hinauf und vergiss uns nicht.

Hazel in Dänemark 2009

Hazel in Dänemark 2009

„Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst dich daran erinnern, wie gerne du mit mir gelacht hast.“ (Antoine de Saint-Exupéry – Der kleine Prinz)


Hazel – Seelenhund und „once-in-a-lifetime-dog“.

Bauprüfung bestanden im 2. Preis

Unsere Alpha – ein Hund mit dem gewissen Etwas, ruhig, fast unauffällig, ein Blick von ihr reicht aber meistens für andere Hunde, um sie auf Distanz zu halten. Interessiert sich nur für Arbeit, Bälle und den Kunstbau. Gibt es nichts zu tun, ist die Sache für sie erledigt. Arbeitet sachlich ohne Schnörkel, ist 100% verläßlich und geht immer den direkten Weg. Autark und cool im familiären und externen Umfeld, verspielt bis erzieherisch tätig bei den jüngeren Rudelmitgliedern.

Dogaholic Beautiful Girly, genannt Hazel, meine erste Parson-Russell-Terrier Hündin. Mit ihr fing alles an, nahm meine Parson-Leidenschaft ihren Lauf.

Von Anfang an ein charismatischer Hund, autark, sich selbst genügend, von Welpenpfötchen an eher erwachsen als verspielt. Immer aufmerksam, aber nie mit “will to please” ausgestattet – eine Herausforderung – nur Aussenstehende konnten sie süß nennen. Immer den Tick zu schnell, zu schlau und zu motiviert, um wirklich verständlich zu sein. Es sollte eine große Aufgabe für mich werden, diesen Hund auszubilden und ein großer Teil meines Wunsches, Wissen über die Rasse weiterzugeben, liegt in dieser Zeit begründet, die nicht immer einfach war.

War sie eigentlich schon als Welpe irgendwie erwachsener als andere Hunde ihres Alters, hieß das ja noch lange nicht, dass sie deshalb auch irgendwelche Erziehungsschritte übersprungen hätte. Im Gegenteil: Hazel hatte immer eine Meinung – zu allem – Irritationen und Diskussionen waren an der Tagesordnung, ich mußte mir meinen Chef-Sessel mit lernen, lernen, einigen hysterisch angehauchten Verzweiflungsausbrüchen und ja, auch Tränen sehr ernsthaft und hart erarbeiten. Gute Freundinnen dieser Zeit erinnern sich noch mit einem Schmunzeln in der Stimme an diese Phase, denn es war eine Phase, die ungefähr endete als sie ein Jahr wurde. Seit dem vertieft sich das Verständnis und das Vertrauen zu- und miteinander immer nur noch mehr.
Was für Themen allerdings nie auf dem Tablett waren, waren Umweltprobleme, Streitereien oder Unsicherheiten mit anderen Hunden in all diesen normalen Dingen des Alltags war und ist sie eher mustergültig, unsere Streberin in der ersten Reihe.schwimm

Energie erforderte dieses Bündel von Hund, Auseinandersetzung mit ihren Qualitäten und Eigenschaften und mit meinen eigenen Fähigkeiten, sie zu führen und zu unterstützen. Denn – rückblickend betrachtet – war ich zwar interessiert an Hundesport i.A. – wie es eben so ist, wenn man einen Welpen hat, und einfach alles richtig machen will, aber den Startschuß gab Hazel, die schon als Pimpf mit sechs Monaten brüllend am Rand saß, wenn andere Hunde „hoppi“ machten. Irgendwie blieb mir kaum eine Wahl – schlimm war das ja nicht wirklich, weil ich mich auch gerne flott von A nach B bewege, dass es sich allerdings so entwickeln würde, war anfänglich weder klar und noch vorgezeichnet.

Heute ist sie ein Hund, der mit all seiner angeborenen Souveränität ihren Fokus auf mich und die Arbeit mit mir richtet, es ist alles so einfach geworden. Hazel hat nie etwas von ihrem Selbstbewußtsein eingebüßt – und so ist sie auch immer diejenige, die mit ihrer Ausstrahlung andere Hunde wie selbstverständlich in ihre Schranken weist. Sie rauft nie von sich aus, es sollte sich aber kein Hund einfallen lassen, sie anzumachen, da kennt sie kein Pardon.

Als sie mit bereits acht Jahren eine wirklich ambitionierte Bauprüfung ablegte, die auch manchen Fachmann begeisterte, waren wir mal wieder unendlich stolz auf diesen Hund, der sein größtes Glück in der Arbeit findet. Hin und wieder merken wir jetzt aber auch, dass sie ruhiger wird, sie tobt nicht mehr so wild durch´s Wasser wie früher – erste kleine Indizien, dass meine Supermaus sich manchmal zurücklehnt und die anderen vorläßt…hazel_pokal10

Im Rudel ist sie großzügig gegenüber allen anderen Hunden, erzieht die jungen und sie lebte mit Bambi in einer abgeklärten Gemeinschaft. Bambi hat uns ja  in 2010 verlassen, jetzt hat sie den Hut mit der Altersweisheit auf, es ist nicht immer leicht für sie, denn die jungen drücken nach, vor allem Brenda, die ihr ja charakterlich am nächsten ist, kratzt am Thron. Trotzdem zeigt sie immer noch ihre innerliche Größe, ist ein kluger Hund und hat einen ganz besonderen Status.

Und immer noch ist der Workaholic in ihr spürbar – zu Hause die Ruhe in Person, wird der Schalter auf 200% Leistung umgelegt, wenn ihre Themen dran sind, die natürlich in ihrem jetzigen Alter doch sehr beschränkt sind auf ein bißchen Ball spielen und suchen, aber das liebt sie immer noch und kaum jemand würde in solchen Momenten wirklich sagen können wie alt sie ist. Spazieren gehen hingegen langweilt eher, ein nicht wirklich charmanter Hund, die Hazel, aber eine wahre Persönlichkeit, mit viel Schneid, einem großen Herzen und ganz viel Selbstbewußtsein ausgestattet.Parson-Festival_94b

Jetzt ist Hazel bereits 14 Jahre alt, bald wird sie wieder offziell ein Jahr älter, sie ist eine alte, manchmal etwas mürrische Dame geworden, aber immer noch ist ihre Präsenz und Ausstrahlung spürbar. Sie ist eindeutig weiterhin unsere coolste Lady, im Sommer 2012 sind wir sogar noch mal in einem Seniorenjumping gestartet und sie ist gelaufen und gerannt wie eine Biene und hat danach aus allen Knopflöchern gestrahlt … und ich auch.

Hazel ist das beste, was mir in meinem Leben passieren konnte, sie hat mich und meine Beziehung zu dieser Rasse geprägt, sie hat mein Leben von Grund auf verändert… so viel Gutes kam durch sie nach… die Liste ist lang, sehr lang. Freundschaften, meine Hunde und die Beschäftigung mit ihnen, ich lernte Roger kennen und … ich schrieb ein Buch. Wer hätte das vor 15 Jahren auch nur im Ansatz gedacht.Abschliessend zitiere ich hier eine Beschreibung von Anjte Heller, die vor längerer Zeit bestimmte Charakterzüge aus ihr bekannten Zuchtlinien zu benennen:

Sie haben in ihrer Jugend mal eine ausgeprägte „Trotzphase“, die eine gewisse Hundeerfahrung oder gutes Einfühlungsvermögen erfordert. Sie „fragen“ nach ihren Grenzen und sind glücklich diese verständlich vermittelt zu bekommen, was ihnen viel Sicherheit verleiht. Hat man diese Phase erfolgreich gemeistert, hat man den Traumhund schlechthin. Bekommen sie keine Grenzen gezeigt, können sie echt ätzend werden und neigen z.T. auch dazu, ihre vergötterte Person zu beschützen, Artgenossen eifersüchtig abzuwehren, zickig zu reagieren (dabei immer mit „Herzchenblick“ zum angebeteten Menschen). Wird dieses Benehmen aber unterbunden (was nicht mal hart, nur konsequent erfolgen muss!) sind sie die Ruhe und Toleranz in Person.

 

Ihre Daten:

Züchterin: Beate Wilhelm, Berlin

26.07.1999-17.08.2015

Daten: 34,5 cm / 45 cm BU / 7,2 kg / glatt-broken / tricolor

Prüfungen:
WT im PRTCD e.V.
Begleithundeprüfung (04/2001)
Agility A3 (seit 08/2003)
Bauprüfung im II. Preis (13.10.2007)
mehrmals Teilnahme an Agility-Weltmeisterschaftsqualifikationen
VDH-Deutsche-Meisterschaft
DHV-Deutsche-Meisterschaft Agility
(bestes Ergebnis: 7. Platz 2006)
Bundessiegerprüfungen Agility (2005/2006)
3x (2005-07) Landesmeisterin Agility LV Berlin-Brandenburg

vorzüglich

Katarakt auf dem linken Auge, Pl 0

Zierliche und hochbeinige, glatt- bis stockhaarige Hündin mit viel Farbe.